Barrierefreier Brandschutz im Bestand

26. Februar 2021

Konzepte für den barrierefreien Brandschutz können – und sollten – auch im Bestand erstellt werden, da eigentlich immer, auch im denkmalgeschützten Bestand, Lösungen gefunden werden müssen. Wichtig ist, wie im Kapitel Holzbau beschrieben, dass Brandschutzgutachter und Feuerwehr frühzeitig in die Planung einbezogen werden. Da Standardlösungen – wenn überhaupt vorhanden – vor allem in Bezug auf Bestandsgebäude nur begrenzt realisierbar sind, ist es hilfreich, wenn alle an der Planung Beteiligten möglichst offen an die Sache herangehen und nach individuellen Antworten suchen.

In den meisten Bundesländern wird zum jetzigen Zeitpunkt selbst im Neubau „nur“ ein Nachweis des Flüchtens, also allgemein für Rettungswege, ohne genauere Rahmenbedingungen, gefordert. Somit muss man sich hier auf die allgemein anerkannten Regeln der Technik berufen. Da sich die DIN 18040 derzeit zwar mit der Barrierefreiheit befasst, jedoch nicht differenziert mit der Brandschutzthematik, muss man sich genau mit dem Gebäude auseinandersetzen. Vor allen Dingen im Bestand müssen auf die jeweilige Situation und Problematik abgestimmte, durchaus auch kreative Lösungen gefunden werden.

Zwei Beispiele aus der Praxis

Beispiel 1

Für ein Bestandshochhaus in Hessen mit insgesamt 13 Obergeschossen wurde im Zuge einer Generalsanierung ein Konzept für Personen gesucht, die nicht selbstständig über den vorhandenen Sicherheitstreppenraum flüchten können. Neben drei Aufzügen, die im Brandfall nicht genutzt werden dürfen, stand für die Bewohner der barrierefreien Wohnungen zwar ein Feuerwehraufzug, aufgrund der Bestandssituation allerdings nur begrenzt Raum für einen sicheren Wartebereich je Geschoss zur Verfügung. Um die Situation zu entschärfen, wurden die Wohnungen so aufgeteilt, dass es je Geschoss nun nur eine barrierefreie Wohnung gibt. Als sicherer Bereich wurde der Vorraum des Feuerwehraufzugs ausgewählt, welcher auf Grund der derzeit anerkannten Regeln der Technik (Schleuse Sicherheitstreppenraum bzw. Vorraum Feuerwehraufzug) bereits eine brandschutztechnische Trennung vorzuweisen hat. Der sichere Bereich (Schleuse bzw. Vorraum) muss jedoch in seinen Dimensionen so bemessen sein, dass ein Vorbeiflüchten nicht beeinträchtigter Personen weiterhin gewährleistet werden kann. – vgl. auch Räumungsvarianten im barrierefreien Brandschutz – Zellenkonzept – Von dort können sich die Bewohner mit Handycap jetzt bemerkbar machen und Hilfe zur Unterstützung bei der Selbstrettung anfordern. Dazu wurden entsprechende Notruftelefone aufgeschaltet. Der Vorraum ist an die Überdruckanlage des Sicherheitstreppenraums gekoppelt, so dass ein Verrauchen sicher verhindert wird.

Beispiel 2

In einem denkmalgeschützten Kloster wurde die dazugehörige ehemalige Brauerei zu einem öffentlichen Veranstaltungsraum umgenutzt. Um die Räumung von Menschen mit Behinderungen im Brandfall zu sichern, wurde eine Lösung für die Toiletten im Obergeschoss gesucht, die barrierefrei nur über einen Aufzug zu erreichen waren. Hierfür wurde die Mittelzone im Obergeschoss gekapselt, also ein sicherer Schutzraum mit entsprechend hohen Brandschutzanforderungen geschaffen, an den von außen angeleitert werden kann.