Konstruktionen in Holzbauweise

30. April 2021

Folgendes Beispiel soll verdeutlichen, dass der barrierefreie Brandschutz nicht nur grundsätzlich, sondern auch mit verschiedenen Lösungswegen im Holzbau gewährleistet werden kann.

Hierbei wird ein Gebäude mit zwei Rettungsabschnitten durch eine feuerbeständige Holzbauwand mit einem Raumabschluss von 90 Minuten erstellt. Jeder Rettungsabschnitt besitzt dabei jeweils einen baulichen Rettungsweg der anderen Nutzungseinheit entgegengesetzt und jeweils einen von der allgemeinen Stromversorgung unabhängigen Aufzug. Wie müsste die Trennwand zwischen den Einheiten beschaffen sein, um dem barrierefreien Brandschutz gerecht zu werden, wenn es in einer Einheit zu einem Brandereignis mit direkter Brandbeaufschlagung dieser Wand käme?

Barrierefreier Brandschutz im Holzbau – Variante 1: Trennwand aus Vollholz
– Erhöhte Rauchentwicklung –

Gesamtfeuerwiderstandsdauer von 90 Minuten

Aufgrund der Sichtholzkonstruktion kann es zu einer erhöhten Rauchentwicklung kommen. Allerdings wird der Grundriss so organisiert, dass eine Räumung zügig über abgetrennte sichere Bereiche ins Freie möglich ist. Durch eine gewissenhafte Ausführungsplanung kann auch eine Brandweiterleitung (für 90 Minuten) ganz verhindert werden. Insbesondere durch die erhöhte Rauchentwicklung ist allerdings unbedingt der Löschangriff der Feuerwehr zu berücksichtigen.

Barrierefreier Brandschutz im Holzbau – Variante 2: Trennwand als Holzständerbauwand
– Rauchfrei –

Gesamtfeuerwiderstandsdauer von 90 Minuten – einschließlich der tragenden und aussteifenden Bauteile (keine Kapselung im Sinne der M- HFHHolzR)

Hier verhält es sich ähnlich wie in der Variante 1, allerdings ist mit einer erhöhten Rauchentwicklung nicht zu rechnen. Die Brandweiterleitung (auch hier für 90 Minuten) kann für den Personenschutz in erster Linie vernachlässigt werden, da eine eigenständige Entfluchtung aller Personen möglich ist.

Barrierefreier Brandschutz im Holzbau – Variante 3: Trennwand als doppelte Ständerwand
– Stabil und nicht unbedingt teurer –

Gesamtfeuerwiderstandsdauer von 90 Minuten (auch hier keine Kapselung im Sinne der M-HFHHolzR)

Hier kann bei den tragenden und aussteifenden Bauteilen auf die Feuerwiderstandsdauer verzichtet werden, da bei Versagen dieser Bauteile einer Trennwand eine weitere Trennwand vorhanden ist.

Diese Variante ist in punkto Rauchentwicklung, Brandweiterleitung und Entfluchtung vergleichbar mit Variante B. Zum Thema des Löschangriffs kann hier allerdings davon ausgegangen werden, dass dieser sich unproblematischer gegenüber der einfachen Holzbauständerwand verhält, da es sich um zwei eigenständige, voneinander unabhängige Systeme handelt und somit mit einem statischen Versagen beider Wände nicht zu rechnen ist.

Der Kritikpunkt dieser Lösung wird für die meisten Bauherren jedoch der erhöhte Materialaufwand und der dadurch entstehende erhöhte Kostenaufwand sein. Unter Umständen können bei dieser Variante allerdings die Kosten für das aussteifende Tragwerk reduziert werden.