Räumungsvarianten im barrierefreien Brandschutz

10. März 2021

Beim barrierefreien Brandschutz müssen Konzepte entwickelt werden, um alle im Gebäude befindlichen Personen sicher aus dem Gefahrenbereich retten zu können. Hierbei kommen unterschiedliche Ansätze zum Einsatz. Standardlösungen für den barrierefreien Brandschutz gibt es an sich nicht. Eine übliche Differenzierung für Konzepte ist folgende:

1. Das Räumungskonzept: Das Ziel ist, das gesamte Gebäude zu räumen, wobei sowohl horizontale als auch vertikale Rettungswege genutzt werden. Es handelt sich um eine einstufige Räumung ohne Zwischenstopp.

2. Das Verschiebekonzept: Hierbei handelt es sich um ein zweistufiges Konzept, bei dem sich die Gebäudenutzer vom betroffenen Abschnitt in einen brandschutztechnisch getrennten Abschnitt begeben, um von hier gerettet werden zu können oder sich im Idealfall über einen weiteren Rettungsweg selbst retten zu können.

3. Das Zellenkonzept: Hierin schließlich erfolgt die Evakuierung in drei Stufen. Durch die Ausführung einzelner Bereiche als brandschutztechnische Zellen müssen im ersten Schritt nur die Bewohner einer solchen Nutzungseinheit evakuiert werden. Sie werden über einen Zwischenbereich, den so genannten Räumungsabschnitt, in den sicheren Bereich gebracht.

Lösungsbeispiele für Evakuierungskonzepte

Wie vielfältig die Lösungsansätze des barrierefreien Brandschutzes sein können, zeigt folgendes Beispiel für einen schlichten Gebäuderiegel mit Büronutzung:

A Lösung mit Evakuierungsaufzug

Eine relativ einfache, aber auch kostenintensive Lösung kann die Rettung über einen Evakuierungsaufzug darstellen. Dabei muss davor ein Bereich, beispielsweise im notwendigen Treppenraum, geplant werden, der den Fluchtweg für nicht mobilitätseingeschränkte Personen nicht versperren oder behindern darf. In diesem Fall ist der notwendige Treppenraum der sichere Bereich.

B Lösung mit Unterteilung in Rettungsabschnitte

Eine zweite Variante für den barrierefreien Brandschutz wäre die Unterteilung des Gebäudes in zwei Rettungsabschnitte mit zwei unabhängigen notwendigen Treppenräumen und je einem Aufzug. Diese Rettungsabschnitte entsprechen nicht notwendigerweise den Brandabschnitten des Gebäudes, sondern werden unabhängig von diesen festgelegt. Die Trennung erfolgt durch eine Wand, deren Feuerwiderstandsdauer je nach Gebäudeklasse der tragenden und aussteifenden Bauteile (optimalerweise „feuerbeständig“) entspricht. Im Brandfall können die flüchtenden Personen dann horizontal, also auf der gleichen Ebene, in den jeweils anderen Abschnitt fliehen, der nun als sicherer Bereich definiert ist und den noch im Betrieb befindlichen „normalen“ Aufzug zum Verlassen des Gebäudes nutzen.

C Lösung mit umlaufenden Laubengängen mit Aufzug

Die dritte Alternative, die insbesondere bei der Nachrüstung von Bestandsbauten relevant sein kann, sind umlaufende Laubengänge mit freistehendem Aufzugsschacht.